Ich habe jetzt aber eine neue Taktik, ich lasse nachts das Fenster auf, dann kommt auch mal Sauerstoff ins Zimmer, was meinem Schlaf sehr erholsam zu unterstützen scheint. Jedenfalls fühle ich mich in den letzen Tagen morgens ausgeruhter.
Dann kommt halt die Reinigungszeremonie, die wirklich nicht einer Beschreibung lohnt. Danach breche ich Richtung Uni auf, um dort frustrierender Weise mich mit den Geheimnissen von C++ herumschlagen zu müssen. Denn meine Programme, die ich hier verfasse, treiben mich zur Verzweiflung, weil sie die unangenehme Eigenschaft haben, irgendwann einfach abzubrechen. Theoretisch dürfte dieses aber nicht passieren, weil es ist so:
Mein Programm ließt Textdateien ein, und zählt, wie oft Wortkombinationen in den Texten vorkommen. Dies macht es dann, und sobald eine Textdatei eingelesen ist, öffnet es automatisch die Nächste, und das geht dann halt ewig so weiter. Tja, und nach der paarundfünfzigsten Datei ist das Programm der Meinung, es hat es nicht nötig, und bricht einfach ab, obwohl es ja schließlich paarundfünfzig Datein einwandfrei eingelesen hat. In Frankfurt ist mir so ewas noch nicht untergekommen. Und die Leute an der Uni können mir zu diesem Phänomen leider auch nicht genau sagen, wieso das so ist. Wahrscheinlich liegt es an Bill Gates heißgeliebten Windows Dreck. Na, und diese blöden Abbrüche
gehen mir halt ganz gehörig auf die E...
Tja, und so zieht sich das dann halt den Tag lang, mittags gehe ich hier in der Mensa essen, obwohl da jeder essen gehen kann. Und jeden Mittag rege ich mich auf, wenn die Kassiererin kein Wechselgeld hat. Das ist eigentlich ein Ding, eine Mahlzeit (mit Hauptgericht, Trinken, Suppe oder Kuchen, je nachdem, auf was ich Lust habe) kostet hier so 400 bis 500 Ft, also zwischen 3 und 4 Mark. Und ich Westler habe natürlich immer Scheine in der Tasche, und wenn ich der Guten dann einen 1000 Ft Schein hin halte, dann kann die nie rausgeben, weil sie nicht genug Kleingeld hat. Das ist doch unfassbar.
So gegen 17.00 fahre ich dann meißtens nach Hause, esse was und mache es mir bei den "Simpsons" vor dem Fernseher gemütlich. Und dort bleibe ich dann meißtens auch bis ich ins Bett gehe. Ab und zu wird er Abend durch ein Computerspiel versüßt.
Die ersten Wochen war mein Alltag ok, doch langsam verspüre ich den Drang, mal abends was zu unternehmen. Freitags gehe ich meißtens mit Tibor auf die Suche nach Alkohol, aber trotzdem fehlt mit hier ein wenig Abwechslung. Es geht halt nichts über den heimischen Freundeskreis. Die Jungs an der Uni hier sind halt typische Fluppen, zwar sehr nett, aber ich glaube nicht, daß die die großen Partytiger sind. Jedenfalls fehlt mir doch so langsam ein wenig Gesellschaft. Gott sei Dank sind es nut noch neun Tage, dann kommt Antje, und dann wird alles Gut.
Momentan habe ich so einen kleinen Durchhänger, weil alles nicht so voran geht, wie ich es mir so vorstelle. Aber ich denke, daß das ja auch mal ok ist. Vielleicht ist es auch ein bischen Torschußpanik, weil schon ein Drittel meiner Zeit hier rum ist, und ich das Gefühl habe, das alles zu schnell vorbei sein könnte, ohne, daß es richtig begonnen hat.
Irgendwie habe ich es noch nicht geschafft, in diese Welt hier einzutauchen. Aber auf der anderen Seite habe ich ja noch 4 Monate vor mir, und da kann ja noch allerhand passieren.
So, genug Motivationspsychologie betrieben. Jetzt erzähle ich noch was witziges, was ich eigentlich lieber nicht erzählen sollte, denn jeder, der was von Computern versteht, greift sich beim Lesen sicherlich an den Kopf. Es begab sich, daß ich eines abends auf die tolle Idee kam, meinen Laptop aufzuräumen, also auf der Festplatte Ordnung zu schaffen, damit man auch mal wieder was findet und eine gewisse Übersicht zurückkehrt.
Und zu diesem Zweck habe ich unter anderem alle DLL`s , Autoexec.bat , etc in einen neuen Ordner kopiert, damit das besser aussieht, und übersichtlicher wird. Dann habe ich den ganzen Abend schön mit dem Ding geschafft, und am nächtsten Tag an der Uni habe ich das Ding angemacht, und dann könnt Ihr Euch ja vorstellen, was dann war.
Nix nämlich. Ungüliges Datenträgersystem, bla, bla bla.
Aber die Jungs hier in der Uni haben mal kurz `ne Bootdiskette und `nen Norton Commander in`s Floppy geschoben, die Daten zurückkopiert, und dann ging es wieder.
Also, wenn Ihr jemanden nicht mögt, dann kopiert von der Bootplatte alle DLL`s und ähnliches in einen neuen Ordner.
Zur Erklärung für alle, die einer Computerstruktur nicht mächtig sind: DLL`s sind kleine Dateinen, die ein neu installiertes Programm ( z.B. Word )in ein bestimmtes Verzeichnis kopiert, damit Windows die benötigten Informationen über die Benutzung des Programms erhält.
Und die Autoexec.bat ist die Datei, ohne die Windows nicht gestartet werden kann. Und wenn die plötzlich in einem neuen Ordner versteckt ist, dann kann der Computer sie beim Hochfahren nicht finden.
Das war schon schwer peinlich, aber es gibt Schlimmeres.
Heute war ich auf der Budapester Burg, weil ich mir dort eigentlich den Chor von Dr. Olaszy anhören wollte. Er kam vor ein paar Wochen, und bat mich, die deutsche Version des Informationblattes des Chores zu überarbeiten. Kein Problem, habe ich natürlich gerne gemacht. Und er hat mich gefragt, ob ich mir das besagte Konzert anhören möchte. Klar, warum nicht, ist mal was Neues. Das Konzert war in der Némzeti Galeria, der Nationalgalerie. Das ist so ungefähr das Fort Knox der ungarischen Kulturgeschichte, dort gibt es jede Menge Ausstellungen und Historisches, also neben dem Konzert auch noch was Kulturelles. Ist ja eigentlich ein Widerspruch, denn was ist den Musik ?
Na, und ich bin da jedenfalls sonntags hin, war eh schon spät dran, bin in das Gebäude rein, und da war zu meinem Erstaunen eine Kasse.
Ich zeigte der Frau den Handzettel, den ich hatte, und sie sagte, daß der Eintritt 4000 Ft (ca 30 DM) kosten würde. Ich war entsetzt, denn meine Information war, daß der Spaß umsonst wäre.
Das erwiederte ich auch, und sie fragte, ob ich mitsingen würde. Natürlich nicht, ich wollte ja nur der Kunst lauschen. Also zog ich meinen Studentenausweis aus meinem Schulterhalfter, aber das sollte dann immer noch 2000 Ft kosten. "Hartes Brot", dachte ich mir, und sagte der guten Frau, daß das ganz schön teuer wäre und bin gegangen.
Ich war ganz schön sauer, auf wen auch immer, da habe ich mich abgehetzt, denn ich war spät dran, und jetzt das. Ein Gutes hatte die ganze Aktion, ich konnte mir die Burg anschauen, die wirklich schön ist.
Montag morgen habe ich dann Dr. Olaszy nach dem Eintrittspreis gefragt. Erst hat er ganz erstaunt geguckt, und dann hat er gesagt, daß ich das falsch verstanden haben muß, denn der Eintrittspreis für die Galerie beträgt 400 Ft (3 DM), was auch von meinem Tischnachbarn bestätigt wurde. Die beiden fanden das sehr lustig, aber ich könnte schwören, die gute Frau hat von 4000
Ostgulden gesprochen. Also, nach 8 Wochen intensiv ungarisch sollte ich doch eigentlich szaz (hundert) von ezer (tausend) unterscheiden können !!??!
Aber das werde ich wohl auch noch in den Griff kriegen. Und wenn der Spaß tatsächlich nur 400, bzw 200 Ft für Studenten kostet, dann habe ich dort ja noch ein paar schöne Stunden vor mir.
Heute (Dienstag, 16.05) haben sich Gabor und Csaba ausgiebig mit meinem Programm befasst. So wie es aussieht, haben wir den Fehler gefunden, oder sagen wir mal eher die Fehler.
Es hat ziemlich lange gedauert, und es sah zwischenzeitlich auch nicht so aus, als ob wir den Fehler finden würden, und ich war der Ansicht, daß ein Freiflug des Computers aus dem Fenster die einzige Möglichkeit wäre, wenigstens unseren gestrandeten Seelen ein wenig Ruhe zu geben. Aber Csaba hat es dann doch noch hingekriegt.
Von dem, was jetzt in meinem Programm steht, verstehe ich zwar nicht alles ( Es ist ungefähr der Vergleich zwischen dem Auto aus "Zurück in die Zukunft" und einem Werkswagen diesen Types), aber die Hauptsache ist doch, daß es funktioniert.
Ich hoffe jetzt, daß ich mit großen Schritten weiterkomme, um endlich mal zu Rande zu kommen, und natürlich endlich auch für meine Diplomprogrammierarbeit in Frankfurt die nötigen Schlüsse gezogen zu haben. Nun, wir werden sehen. Jedenfalls bin ich nun schon ein wenig entspannter, als ich es heute morgen noch war. Wieso, weßhalb, warum mein Programm verückt gespielt hat, kann ich hier nicht in einen Satz fassen, um ehrlich zu sein könnte ich es wahrscheinlich auch nicht innerhalb von einer Seite, also möchte ich es auch gar nicht probieren. Vielleicht schreibe ich einen netten Artikel auf der "Forschung"-Seite, mal sehen. Aber wie sage ich immer so schön : "Wie kann man Unwissenheit in einer Frage formulieren ? ".